BREAK THE MOLD

Network of Arts kollaborierte für diese Ausstellung mit dem Studiengang Kunst & Vermittlung der Hochschule Luzern Design & Kunst.

Wettbewerbsjury:

Michael Sutter (Kunsthalle Luzern),

Gabriela Gonzalez (Galerie Bromer, Zürich) und

Alexandra Blättler (Kunstmuseum Luzern)

Kuration:

Catrina Sonderegger (König Büro, Zürich)

Worte von der Kuratorin:

Allzu oft wird Ästhetik durch soziale und gesellschaftliche Komponenten im Alltag verbannt. Die Ausstellung «Break the Mold» findet in einer Sprachschule statt, einem Ort an dem man vielleicht nicht zwingend Kunst erwarten würde und wenn dann vielleicht höchstens in Form von längst verblassten, unscheinbaren Kunstplakaten, was letzten Endes nicht wirklich mit Kunst zu tun hat.

Die Positionen von Felix Stöckle, Julie von Wegen, Anna von Siebenthal, Regula Brüssel, Patrizio Welt, Sebastian Maciagowski, Daniel Züsli, Serafin Krieger und Aniko Koltai verschönern die Räumlichkeiten dieser Lernschmiede aber nicht nur, vielmehr zerlegen diese Positionen auf unterschiedliche Art und Weise das Verhältnis von Kunst und Alltagspraxis und gehen so der Frage nach, wie gängige Präsentationsformate in der Kunst „gesprengt“ werden können und reagiert durch einzelne Umsetzungen auf den Vorwurf, dass Kunst eine rein elitäre Angelegenheit zu sein scheint.

Immer wieder bewegen sich einzelne Exponate im Zwischenbereich von Nutzen bzw. Funktion und Kunst. «Break the Mold» ist eine praktische und keine kognitive Reflexion.

Catrina Sonderegger, Kuratorin

Vielleicht zieht die Ausstellung mit ihren neun Künstlerpositionen zu viele Register, weil sie Themen wie Verortung, Übersetzung, Intervention, Narration und Reflexion fast gleichermassen zu behandeln versucht. Vielleicht wird sie auch nur irritiert wahrgenommen, aber was feststeht ist, dass «Break the Mold» den Anspruch der Kunst nicht aus den Augen verliert und dazu offensichtlich keine weisse Zelle anstrebt. Auch im Treppenhaus, im Vorraum oder in der Zwischenetage findet sich dieses kostbare Moment des Verlierens und des Innehaltens. Den künstlerischen Arbeiten von Felix Stöckle, Julie von Wegen, Anna von Siebenthal, Regula Brüssel, Patrizio Welt, Jean Bastien Magov, Daniel Züsli, Serafin Krieger und Aniko Koltai gelingt es, uns Einblicke zu geben, die unverhofft grosse Intimität vermitteln und die kleinen Dinge des Alltags aus dem «Vergessen» heben und neue Bedeutung geben.

Die Ausstellung kann von Montag bis Freitag besucht werden.

31. Oktober 2020 — 30. April 2021


Felix Stöckle

*1994, St. Gallen

Felix Stöckles Position beschäftigt sich mit den ambivalenten Widersprüchen unserer Zeit und fertigt Waffen — die Gesten der Macht — aus Keramik und präsentiert sie in Schaukästen.

Julie von Wegen

Luzern

Julie von Wegens Material ist die Sprache, im ganzen Haus macht die Künstlerin Wände, Leisten und Zwischenräume zu Trägersubstanzen für ihre rätselhafte Fragen und anmutende Botschaften.

Anna von Siebenthal

*1995, Wagenhausen

Anna von Siebenthal schenkt ihre Aufmerksamkeit banalem Alltagsmaterial, wie Toilettenpapier, welches nach wie vor als solches erkannt, aber zugleich neubestimmt wird.

Jean Bastien Magov

*1981, Muri

Bei Jean Bastien Magov finden die vergessen geglaubten Erzählungen der Grosseltern — die den Holocaust überlebt haben — eine fotografische Sprache und werden fast monumental.

Regula Brassel

*1983, Bern

Regula Brassel ergänzt Raumelemente, wie beschichtete Holzplatten und beschäftigt sich mit Themen wie Funktionalität, Täuschung und Wahrnehmung.

Patrizio Welti

*1984, Luzern

Patrizio Weltis Position behandelt Themen der Perspektivenübernahme, der Wahrnehmung und Selbsterkenntnis, denn ein Spiegel zeigt nicht nur die äussere Erscheinung, sondern auch verletzliche Intimität und Vergänglichkeit.

Daniel Züsli

*1986, Cham und Zürich

Bei Daniel Züsli werden meist kaum wahrgenommene Sockelleisten zu Kunst erhoben und die Idee bzw. der Begriff von Skulptur in Frage gestellt.

Serafin Krieger

*1995, Teufen AR und Luzern

Als eine Art Erinnerungstank können die Spiralzeichnungen von Serafin Krieger verstanden werden, sie erklären dem Betrachter, dass Spuren nicht nur Zeitdokumente, sondern vor allem Emotionen sind.

Aniko Koltai

*1977, Rüschlikon und Emmenbrücke

Aniko Koltai hat sich mit Intimität und Verletzlichkeit auseinandergesetzt und macht Transparenz zum zentralen Thema ihrer Arbeit, sie ist der aktuelle Spiegel der Gesellschaft und zeigt unsere Ängste auf.